Im Portrait

Florian Pernkopf: Produziert feine Bio-Schafheumilch im Traunviertel

Pyhrn-Priel, Oberösterreich
Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.
Charles Darwin

Florian Pernkopf, passionierter Bio-Bauer aus Pyhrn-Priel in Oberösterreich im Traunviertel, erzählt im Interview über den Mehraufwand der Heumilchwirtschaft im Speziellen, die guten Zukunftsaussichten von biologischer Landwirtschaft im Allgemeinen, über das Dilemma der billigen Lebensmittel, die Herausforderungen im Weidemanagement und welche Bedingungen die Bio-Richtlinien vorschreiben, damit sich die Schafe in artgemäßer Tierhaltung bei mehr Platz in Stall, Auslauf und auf der Weide wohlfühlen:

Ja! Natürlich:
Wer ist typischer Schafsheumilch-Fan?

Florian Pernkopf: Ernährungsbewusste Konsumenten, häufig auch Menschen die an Kuhmilch-Intoleranz leiden. Wie auch bei der Heumilch von der Kuh ist beispielsweise der Anteil an wertvollen Omega-3-Fettsäuren und konjugierten Linolsäuren rund doppelt so hoch wie in herkömmlicher Schafmilch. Omega-3-Fettsäuren zählen zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die unser Körper nicht selbst produzieren kann.

Ja! Natürlich:
Für uns war es eine große Herausforderung, Bio-Bauern zu finden, die in der Fütterung der Schafe auf Silage verzichten und somit Heumilch-Qualität liefern können. Warum ist die Heumilchwirtschaft aufwendiger?

Florian Pernkopf: Schlagkräftige Silageernteketten benötigen nur einen Tag Schönwetter, um das Gras für den Winter zu konservieren. Die Heubereitung hingegen benötigt traditionellerweise drei Tage Sonnenschein, da das Erntegut ja bis zur Lagerfähigkeit getrocknet werden muss. Unterdachtrocknungsanlagen (Heubelüftungen) ermöglichen kürzere Feldliegezeiten, sind aber teuer in der Anschaffung und im Betrieb. Silagebetriebe füttern das ganze Jahr über die gleiche Ration an Silage im Stall. Heu- bzw. Weidebetriebe müssen hingegen im Sommer täglich ihre Tiere auf die Weide und wieder heim treiben. Das Umstecken der Weiden ist aufwendige Handarbeit.

Ja! Natürlich:
Worin unterscheidet sich konventionelle Tierhaltung von der Haltung von Bio-Schafen?

Florian Pernkopf: Hauptsächlich im Flächenbedarf. Konventionell sind pro Mutterschaf 0,8 m² Stallfläche notwendig (Bundestierschutzgesetz), bei Bio 1,5 m² (EU-Bioverordnung). Auslauf und Weide sind im konventionellen Betrieb nicht verpflichtend. Zur Lämmeraufzucht darf der konventionelle Schafhalter auch Milchaustauscher verwenden, der Bio-Schafhalter ausschließlich Bio-Milch, vorzugsweise natürlich Schafmilch von der Mutter des Lammes.

Ja! Natürlich:
Wie lange werden die Jungschafe vom Mutterschaf gesäugt? Was fressen sie zusätzlich das ganze Jahr über?

Florian Pernkopf: Im Milchproduktionsbetrieb ist es leider nicht möglich, die Lämmer mehrere Monate beim Mutterschaf säugen zu lassen, da ansonsten keine Milch zur Lieferung übrigbleibt. Auf unserem Betrieb bleiben die Lämmer in der Regel 8-10 Tage bei der Mutter. Da trinken sie die sogenannte Biestmilch (Kolostrum) – eine sehr konzentrierte, nährstoffreiche Milch, deren ausreichende Aufnahme entscheidend für einen guten Start ins Leben ist. Anschließend kommen die Lämmer in den Aufzuchtstall, wo sie mit Gleichaltrigen ihre „Kindergartenzeit“ verbringen. Gefüttert wird Bio-Kuhmilch aus dem Eimer sowie von Anfang an bestes Heu und Kraftfutter zur freien Aufnahme. Wasser wird selbstverständlich ganztägig zusätzlich angeboten. Nach mind. 45 Tagen werden sie von der Milch abgesetzt und fressen weiterhin Heu und Getreide. Abhängig von der Entwicklung der Lämmer und der Witterung, kommt der Nachwuchs dann auch bald auf die Weide und lernt dort grasen.

Ja! Natürlich:
Wie entgegnen Sie dem Vorwurf von Kritikern, die Milch werde den Lämmern „weggenommen“?

Florian Pernkopf: Jede Milch (auch von der Kuh) wird vom Muttertier deshalb produziert, um das eigene Junge zu ernähren. Wenn diese wertvolle Substanz allerdings auch der menschlichen Ernährung zur Verfügung stehen soll, kommt man nicht umhin, die Muttertiere zu melken. Im Gegensatz zur Kuh gibt das Schaf nicht wesentlich mehr Milch als die Jungen trinken. Wollen wir also Schafheumilch im Geschäft kaufen, so muss uns klar sein, dass dies eine mutterlose Aufzucht der Lämmer bedeutet. Die Lämmer gedeihen jedoch mit Kuhmilch auch sehr gut, wenngleich sie nicht ganz so schnell wachsen wie bei der Mutter.

Ja! Natürlich:
Wie schaut der Alltag der Tiere in den Sommermonaten und dann im Winter aus?

Florian Pernkopf: Im Hochsommer ist es den Schafen untertags draußen zu heiß. Deshalb sind sie frühmorgens bzw. abends sowie auch in der Nacht auf der Weide und grasen dort. Zweimal täglich kommen sie in den Melkstand, wo sie gemolken werden und jedes Schaf seine Portion Kraftfutter erhält. Untertags sind sie bei Hitze im Stall und fressen Heu oder sie liegen einfach herum. Im Herbst oder an kühleren Tagen sind die Schafe oft auch ganztags draußen und müssen nur zum Melken heimgeholt werden. Den Winter verbringen die Tiere dann im luftigen, hellen Stall und fressen eine Mischung von verschiedenen Sorten Heu. In den großen Auslauf können sie jederzeit gehen. Vor allem, wenn es schneit, sind die Schafe gerne im Auslauf und kosten die Schneeflocken. Einmal jährlich haben alle Muttertiere eine zweimonatige Melkpause. Das ist die Zeit, in der sie sich auf die anstehende nächste Geburt vorbereiten.

Ja! Natürlich:
Durch welche Argumente würden Sie einen konventionellen Bauern von biologischer Tierhaltung überzeugen?

Florian Pernkopf: 1. Gesündere Tiere durch naturnähere Produktion. 2. Mehrerlös für das Produkt, dadurch besteht weniger Druck, Masse zu produzieren. 3. Direktvermarkter können ihre Produkte mit Bio-Siegel ev. leichter verkaufen. 4. Produktion von gesünderen Lebensmitteln (auch der Bauer ist Konsument!). 5. Wenn ein Umbau der Stallanlage vielleicht sowieso vonnöten ist, bietet sich biokonformer Umbau an.

Das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung steigt stetig und auch in der Landwirtschaft selber kommen immer mehr Bauern zu der Erkenntnis, dass noch intensiveres Wirtschaften oft nur mehr Abhängigkeit, aber nicht so viel mehr Einkommen bedeutet.

Ja! Natürlich:
Was verhindert, dass sich Bio flächendeckend in Österreich durchgesetzt hat?

Florian Pernkopf: Der Biomarkt ist ein wachsender. Dennoch will ein großer Teil der Bevölkerung (und im übrigen auch die Politik), dass Lebensmittel billig sind. Denn obwohl heute nur mehr ein kleiner Teil des Einkommens für die Ernährung ausgegeben wird, sind viele Leute nicht bereit, den Mehrpreis für den Mehraufwand von Bio-Produkten zu bezahlen.

Ja! Natürlich:
Bedeutet Tierhaltung nach Bio-Maßstäben mehr Aufwand in Ihrer täglichen Arbeit?

Florian Pernkopf: Schon. Allein das Weidemanagement im Sommer fordert sehr. Größere Stallflächen bedeuten auch mehr Arbeit beim Einstreuen und Ausmisten. Mit dem Schritt in die biologische Produktion versuchte ich, mich einerseits von der Masse abzuheben und über ein höherwertiges Produkt in einer Nische erfolgreich zu sein. Die Spezialisierung auf Bio-Schafheumilch ermöglicht es mir, ohne Flächenausweitung im Vollerwerb bestehen zu können. Bio ist andererseits aber natürlich auch Lebenseinstellung und gehört für mich zu einem nachhaltigen Lebensstil dazu. Unser Gesamtpaket am Betrieb besteht aus biologischer Landwirtschaft, nachhaltig bewirtschaftetem Wald, erneuerbarer Energie in Form von Wärmeverkauf und eigener Stromproduktion.

Ja! Natürlich:
Als Bio-Bauer müssen Sie den internen Kreislauf in der Bewirtschaftung der Wiesen und Getreidefelder für Futtermittel nützen. Selbstverständlich ohne künstlichen Dünger und ohne chemisch-synthetische Spritzmittel. Wie sieht dieser Kreislauf bei Ihnen aus?

Florian Pernkopf: Der Schafmist ist der einzige Dünger für meine Wiesen. Ein sorgsamer Umgang damit ist deshalb sehr wichtig. Der Mist wird bei mir kompostiert und kommt im Herbst als Festmist auf die Wiesen bzw. wird mit Wasser angerührt und flüssig ausgebracht. Da aufgrund unserer geographischen Lage im Berggebiet keine eigene Getreideproduktion möglich ist und Getreide somit zugekauft werden muss, versuche ich, möglichst viel Energie aus hochwertigem Grundfutter zu erzeugen. Das ist mit ein Grund, warum wir die Heutrocknungsanlage gebaut haben.

Ja! Natürlich:
Was ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt von Ja! Natürlich, das aus der Bio-Schafsheumilch gemacht wird?

Florian Pernkopf: Schafheumilch-Joghurt, da ich generell ein Joghurt-Fan bin.

Ja! Natürlich:
Herr Pernkopf, wir danken für das Gespräch.

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