Freilandschweine am Feld Freilandschweine am Feld
Im Portrait

Familie Behler-Wöchtl: zieht im Waldviertel Bio-Freilandschweine auf

Waldviertel, Niederösterreich
Familie Behler Wöchtl
Schwein in der Wiese
„Unsere Bio-Freilandschweine haben viel Platz zum Wühlen, Suhlen und Herumwandern.“
Bettina Behler-Wöchtl
Freilandschwein-Auslauf

Landwirtschaft in den Genen

Die Tierhaltung ist beiden nicht fremd: Schon über mehrere Generationen betreibt Bettinas Familie den Hof im Waldviertel, ihre Eltern, die Rinder hielten, stellten schließlich auf Bio um. „Ausschlaggebend für den Schritt zur biologischen Bewirtschaftung waren mehrere Gründe“, sagt die Landwirtin, „aber einer davon war, dass mein Papa die chemische Unkrautbekämpfung nie wollte.“ Florian stammt ursprünglich aus Deutschland, wo sein Vater einen Schweinezuchtbetrieb führte. Kennengelernt haben sich beide in Wien. Und mit dem Wunsch, sich in Bettinas Heimat niederzulassen, reifte der Gedanke der Freilandschweinehaltung.

Feld

Kreislaufwirtschaft

2021 wurde der Plan umgesetzt und nach etwas Vorarbeit kamen die ersten Schweine auf die Weiden. Wenn diese nicht von den Tieren bewohnt werden, baut Familie Behler-Wöchtl Getreide, Leguminosen oder Sonderkulturen wie Mariendistel an. „Auf diese Weise versuchen wir, das Gleichgewicht im Boden zu erhalten. Die Feldfrüchte entziehen ihm den Stickstoff, der durch den Schweinekot eingetragen wird. Somit gelangt dieser nicht ins Grundwasser, wir haben zugleich natürlichen Dünger“, erklärt Florian, der sich vor allem um die Landwirtschaft kümmert.

Kräuter, Klee

Schweine als Biodiversitätsakteure

„Oft hört man, wie wichtig Rinder für die Biodiversität sind“, sagt Bettina, die ihren Mann bei der Tierhaltung tatkräftig unterstützt. „Auch die Freilandschweinehaltung leistet dazu einen Beitrag.

Auf unseren Weiden blühen Klee und andere Blumen. Hinzu kommt, dass die Weiden von zwei Zäunen mit jeweils einem Meter Abstand umgeben sind. Das verhindert einerseits den Kontakt mit Wildschweinen. Zudem blühen dort selbst dann unzählige Pflanzen, wenn in der Umgebung die Flächen abgeerntet sind. Und da fliegen dann Hummeln, Bienen und viele Schmetterlinge.

„Durch die Kreislaufwirtschaft werden die Pflanzen gleichmäßig mit natürlichem Dünger versorgt. Das fördert die Fruchtbarkeit und stärkt die Böden.“
Florian Behler
Schwein im Schlamm
Kinder spielen im Schlamm mit den Schweinen
Schweine wühlen
Strohplatz für die Schweine
Schwein trinkt wasser
Schweine liegen im Schatten

Natürliches Verhalten fördern

Neben den Insekten fühlen sich aber auch die Schweine wohl. Unterstände spenden Schatten, ebenso ein ausrangierter Anhänger, der als mobiler Sonnenschutz dient. Reichlich Stroh zum Wühlen und zahlreiche Suhlen geben den Tieren die Möglichkeit, ihre Instinkte auszuleben. „Wir beobachten, wie sich unter den Schweinen Gruppen bilden, wenn sie an den Hof kommen. In diesen bleiben sie oft, etwa dann, wenn sie die Unterstände aufsuchen“, erklärt Bettina. „Wenn es heiß ist, sind sie vor allem in der Früh und am Abend aktiv, gegen die Mittagszeit liegen sie dann im Schatten“, ergänzt Florian. „Wichtig ist, dass sie immer frisches Wasser haben – das wird dann zur Herausforderung, wenn die Temperaturen sinken und das Wasser friert.“

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Tierwohl

Was Tierwohl für die Behler-Wöchtls bedeutet, wollen wir noch wissen. Tierwohl bedeutet für uns, dass die Tiere so weit wie möglich ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können und dass es ihnen gut geht. Dazu gehört, dass sie viel Platz haben, herumwandern und sich auch ausweichen können. So kommt es – nachdem sich eine Rangfolge etabliert hat – kaum zu Auseinandersetzungen“, erklärt Bettina. Für die Bewohner:innen der Umgebung sind die Freilandschweine längst keine Attraktion mehr. Dennoch bleiben immer wieder Autos stehen und erkundigen sich über die Tiere. „Oft werden wir gefragt, wo man das Fleisch kaufen kann. Dann verweisen wir auf Ja! Natürlich. Denn das gibt die Gewissheit, woher das Fleisch stammt.“