Im Portrait

Erwin Unger: Stellt sich dem heimischen Reisanbau

Wallern, Burgenland
Regionale Produkte mit nachvollziehbarer Nachhaltigkeit.

Wie die Idee entstand, den „nördlichsten Bio-Reis“ der Welt anzubauen, warum die erste Packung „Seewinkler Bio-Reis“ 4 Jahre Vorlaufzeit in Anspruch nahm und sich die Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel besonders als Anbaugebiet eignet, erzählt Erwin Unger im Interview:

Wie kamen Sie als burgenländischer Bio-Bauer auf die Idee, in der pannonischen Klimazone der Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel Reis anzubauen?

E. U.: Nachdem im Jahr 1864 im ausgetrockneten Neusiedler-Seebett mit mehr oder weniger Erfolg Reis angebaut wurde, habe ich mich vor einigen Jahren dazu entschlossen, Reisanbauversuche – natürlich in biologischer Wirtschaftsweise – zu starten. Mit dem heurigen Jahr bewirtschafteten wir die bisher größte Versuchsanbaufläche.

Welche Rolle spielt für Sie die Bio-Marke Ja! Natürlich in der Entwicklung eines derartig „exotischen“ Projekts?

E. U.: Die Suche nach regionalen Produkten mit nachvollziehbarer Nachhaltigkeit konnte ich mit der Bio-Marke Ja! Natürlich vereinen, da diese meinen Vorstellungen entspricht.

Durch meine jahrzehntelange Berufserfahrung in der Pflanzenphysiologie, habe ich die besten Voraussetzungen, auch exotisch Produkte bis ins Finale zu kultivieren.
Erwin Unger

Welche Herausforderungen ergeben sich für den burgenländischen Reisanbau, der seinen Ursprung ja vorwiegend in Asien oder zumindest in südeuropäischen Regionen wie Italien hat?

E. U.: Die Herausforderung besteht darin, die Kulturführung zu kreieren und in weiter Folge zu optimieren, da die klimatischen Voraussetzungen passen – wie die Erfahrungswerte gezeigt haben.

Reiskenner wissen, es gibt viele Qualitätsstufen, Farben und Sorten von Reis. Welche Sorten bauen Sie an?

E. U.: Zur Zeit baue ich 3 Bio-Vollkorn-Reissorten an – das sind der „Schwarze Seewinkler“, der „Rote Seewinkler“ und der „Weiße Seewinkler“ Bio-Reis. Der schwarze Reis hat seinen Ursprung in China, der rote in Indien. Beide sind Vollkornreissorten.

Wie wird der Reis nach der Ernte verarbeitet?

E. U.: Nach Einbringung der Ernte wird der Reis mit einer Spezialmaschine von den Spelzen befreit und verpackungsfertig gemacht.

Seewinkler Bio-Reis wird im Trockenanbau kultiviert, was weitaus aufwändiger ist als die Methode, die Felder mit Wasser zu fluten. Gedeiht der Reis, trotzdem Sie dadurch mit größerem Schädlingsaufkommen zu rechnen haben?

E. U.: Der Reis muss natürlich ausreichend bewässert werden. Im Gegensatz zur Nasskultur werden bei meiner Kulturführung keine Fäulnisbakterien erzeugt, die dann große Mengen an Methangasen ausscheiden, was in Zeiten des Klimawandels sehr zu begrüßen ist.

Mit welchen Schädlingen oder Pflanzenkrankheiten haben Sie als Reisbauer im Trockenanbau zu kämpfen? Und welche Mittel dürfen Sie nach den strengen biologischen Richtlinien – kein Einsatz von chemisch-synthetischen Spritzmitteln, keine künstlichen Dünger – dagegen anwenden?

E. U.: Bis jetzt konnten wir nur ein geringes Schädlingsaufkommen beobachten, das keinen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Pflanzen und auf die Erträge nimmt.

Was macht den Geschmack Ihrer Reissorten aus? Welche Faktoren im Anbau haben Einfluss auf den Geschmack und eine erfolgreiche Ernte?

E. U.: Das pannonische Klima mit seinen vielen Sonnenstunden und der Wind sorgen für die gute Befruchtung der Reisrispen. Sehr wichtig für eine erfolgreiche Kultivierung unserer Bio-Reissorten sind die Bodenbeschaffenheit und die zeitgerechten und richtigen Kulturmaßnahmen. Je besser diese Faktoren harmonieren, umso besser und voller wird der Geschmack von Bio-Reis und seine Qualität.

Wie sieht der saisonale Kreislauf für den Reisanbau aus?

E. U.: Im zeitigen Frühjahr werden die Bio-Reissetzlinge in Behältnissen herangezogen und im Mai ins Freiland ausgesetzt. Nach mehrmonatiger Kultur durch den Sommer hindurch und mehrmaliger Bewässerung kommt es je nach Sorte im Herbst zur Ernte. Nach Trocknung und Entspelzung ist der Bio-Reis im vermarktungsfähig.

Herr Unger, wir danken für das Gespräch.

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Ja! Natürlich.